Mittwoch, 23. Dezember 2009

Feliz Navidad

Im letzten Moment & als Vorgeschmack auf mehr noch ein kleiner Weihnachtsgruß in kolumbianischer Manier: ein bisschen zu bund, aber mit viel Herz




Hoffe, dass Ihr alle das weihnachtliche Deutschland (vorallem meine heimatlichen Gefilde um Schönaich) genießt.

Híer lassen die Weihnachtsgefühle auf sich warten & werden sich vermutlich auch nicht mehr bis morgen einstellen.

Selbst die kolumbianischen Engel treffen nicht den richtigen Ton... zum Schreien


Dienstag, 27. Oktober 2009

26.10.09

Mein heutiger Arbeitstag lässt sich einfach beschreiben: Man kann sich nicht auf den Feierabend freuen.
Wie bereits erwähnt pflegt unser „Colegio de las Aguas“ eine Partnerschaft mit dem „Colegio Alemán Cali“.
Um diese zu stärken und auszubauen, machen ich und meine Mitweltwärtserin Nana momentan das Colegio Alemán unsicher.
Im Rahmen einer sozialen Woche besuchen wir zusammen mit 10 Schülern der Oberstufe des Colegio Alemán das Colegio de las Aguas, wo sie heute auch sofort ins kalte Wasser geworfen wurden und selbst den Unterricht mitgestalten durften/mussten.

Als wir heute morgen mit dem Bus in Montebello ankamen, verließen sie diesen nur zaghaft und trotteten mit einem Sicherheitsabstand von mindestens drei Metern hinter uns her.
-Sie wurden von der Befürchtung wohlmöglich ausgeraubt zu werden geplagt und ließen uns lieber zunächst die Lage ausboten.
Kaum in der Schule angekommen, wurden sie aber umgehend von dem Charme unserer Kleenen in den Bann gezogen. –Wie die Fotos beweisen, kann sich dem aber auch keiner entziehen. Manch einer der Jungs wusste gar nicht wie ihm geschah, als er plötzlich von zahlreichen Grundschülerinnen umschwärmt wurde.
So gestaltete sich der Rückweg auch ganz anders: Statt betretenem Schweigen, Gelächter und angeregte Diskussionen. –Nana und ich wurden regelrecht mit Fragen gelöchert.
So schnell lernt man lieben, was man zuvor noch gefürchtet hat.

Da Bilder ja schliesslich mehr sagen, als viele schöne Worte:



...das sieht doch fast nach einer waschechten Lehrerin aus



...da kann man ja nur konzentriert



...und begeistert mitarbeiten



Oder etwa nicht?






Wer hat da wohl wen um den Finger gewickelt?



¡heiss umschwärmt!



Dieser junge Mann konnte sich garnicht retten vor lauter Küsschen



Das Bild spricht für sich.


Wie auf den Fotos unschwer zu erkennen, durfte ich mich heute ebenfalls als Lehrerin ausprobieren und versuchen, den Schülern der zweiten Klasse Naturschutz näherzubringen



... es scheint geklappt zu haben. Auf dem Bild steht soviel wie: Wir m¨ssen uns um unsere Natur kümmern. Zum Wohl aller. -frei übersetzt


Es war wunderschön, wieder „meine“ Schüler in den Arm nehmen zu können und zu sehen, wie sie alles Wissen in sich aufsaugen. -Man fühlt sich wie frisch verliebt nach so einem Arbeitstag.

Samstag, 3. Oktober 2009

qué linda




Ich wollte Euch noch 2 Bilder von einer wunderschönen & wie es sich gehört regnerischen Nacht in Cali zeigen:

Dazu ist zu sagen, dass es eigentlich den gesamten September über in Cali zu regnen hat- so zumindest die Aussage der Einheimischen.

Während wir aber die letzten Wochen an der Brücke gebaut haben, die die Schüler auf ihrem Weg vom Klassenzimmer in den Essenssaal vor den ungeheuren Regengüssen schützen soll, hat sich kein Tropfen Regenwasser blicken lassen... bis Donnerstag

auf den Bildern ist zu sehen:

1) diesen Blick genieße ich bei strömenden Regen aus meinem Fenster

2) vorne links: meine Mitweltwärtserin und Ärztin in spe Michi
vorne rechts: unsere Praktikantin im Colegio de las Aguas & Mona(Blondine) Jule
& hinten versteckt: weitere Weltwärtserin & Sportskanone Julika

Sonntag, 27. September 2009

Ich habe eine Kolumbianerin kennengelernt, deren Leben sehr gut den Umbruch in Kolumbien beschreibt und das zeigt dass Kolumbianer meines Alters einerseits Aufstiegschancen haben, andererseits stets von der immernoch bestehenden Gewalt, Armut & Ungerechtigkeit bedroht sind.


Angela, eine 20-jährige Kolumbinaerin mit genug Energie & Lebensfreude für 10, stammt ursprünglich aus Agua Blanca, einem Armenviertel Calis, in dem Kriminalität floriert.

Heute studiert sie an der staatlichen Uni Calis soziale Arbeit & gibt an verschiednen Schulen AG´s für volkstümliche Tänze, von denen ich mir weder Namen noch Schritte merken kann.
Inzwischen wohnt sie in Universitätsnähe & kann ihre Mutter in Agua Blanca nicht besuchen, da es für sie als "Außenstehende" dort zu gefährlich ist.
Für mich ist es vollkommmen absurd, dass eine Tochter ihre eigene Mutter nicht besuchen kann. Bis jetzt kannte ich solche Situationen auch nur aus Zeitungen, jetzt werden sie mir am Küchentisch erzählt.

Am Küchentisch hat mir Angela auch erzählt, dass sie vor 2 Jahren einen Freund verlor, der eigentlich nur Urlaub machen wollte.

-Er wurde von Polizisten, die sich eine Gehaltserhöhung verschaffen wollten ermordet & in eine Guerillauniform gesteckt.

Mit der Zielsetzung Guerilla & Paramilitar zu beseitigen, wurde von der kolumbiansichen Regierung ein Bonussystem eingeführt, das Polizisten die ein Paramilitar- oder Guerillamitglied umbringen, eine Gehaltserhöhung oder Sonderurlaub verschafft.
Mit der Einführung dieses Bonussystems tauchten auch die "falsos Positivos" auf. Unschuldige Kolumbianer, die von Polizisten nur um von diesem Bonussystem profitieren zu können ermmordet werden.

Der Mord an Angelas Freund wurde zwar durch viele Studenten publik gemacht, die verantwortlichen Polizisten konnten jedoch unbehelligt ihren Sonderurlaub genießen und anschließend als Freund & Helfer wieder für Recht & Ordnung sorgen.

Meiner Anischt nach ist in Kolumbien Recht zu oft eine Frage von Geld.
Einerseits, weil man sich Recht erkaufen kann. Andererseits, da der Großteil der Bevölkerung überhaupt nicht über die finanziellen Mittel verfügt, sich ihr Recht zu verschaffen.
Eine Familie, die ihren Sohn als falso Positivo verliert, sich aber keinen Anwalt leisten kann, lebt in der Gewissheit, dass dieses Unrecht keine Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Was bedeutet es für eine Bevölkerung, wenn ihre Regierung keine Gerechitgkeit durchsetzt? Wenn sie sogar Maßnahmen vornimmt, die die Ungerechtigkeit noch unterstützen?
Zwar steht die Regierung unter ständigem Handlungsdruck, Paramilitar & Guerilla zu schwächen, derartige Bonussysteme erscheinen trotz allem pervers.
In Deutschland kann man als Real-Kunde bei Einkäufen Bonuspunkte für eine Bratpfanne sammeln.
In Kolumbien kann man als Polizist töten - für ein verlängertes Wochenende.

Auch regerungskritische Kolumbianer betonen, dass Kolumbien unter der jetzigen Regierung, gerade für Ausländer wie mich, viel sicherer geworden ist, ob dies derartige Maßnahmen legitimiert ist jedoch fraglich.

aller Anfang ist schwer

damit Ihr Euch nicht wundert: Ich habe diesen Eintrag schon am 16. September verfasst, hatte aber bis jetzt kein Internet.


Seit ein paar Tagen hat mein Lotterleben auf Pferderücken & in Hängematten sein Ende genommen.

Vom 7.-9. September wurden wir zunächst in einem Workshop in die Materie Bambus eingeführt...
-Wann hat ein Bambus das richtige Alter um zum Bauen verwendet zu werden?
-Wie macht man einen einwandfreien "boca de pezcado"? (Hierbei handelt es sich um eine halbkreisförmige oder fischmundartige Aushöhlung eines Bambusendes, auf den eine andere Bambusstange aufgesetzt werden kann. Wobei ich zugeben muss, dass meine Versuche meist etwas kümmerlich aussehen.)

Letzten Donnerstag (10.9.) fiel dann der Startschuss für unsere Arbeit an der Brücke, die für mein europäisches Verständnis unglaublich zeitverschlingend ist.
was zu einem daran liegt, dass wir deutschen Mädels sehr wenig Ahnung von der Arbeit haben und zum anderen an der kolumbianischen Einstellung etwas después (anschließend)zu machen. Man trinkt also erstmal einen tinto und anschließend schaut man dann, wann man weitermacht.

-Wir bauen jetzt seit 5 Tagen und haben, wenn man es genau nimmt nur ca. 40 Baumstämme aneinandergschraubt (es benötigt ganz schön viel Vorarbeit bis sich so ein Bambus irgendwo festschrauben lässt).

Sonntag, 6. September 2009

5 Tage & viel Neues





Auf dem untersten Bild seht Ihr übrigens meiner Mädels in der prallen Mittagssonne leiden: vorne: Mandy hinten in brünett: Michaela & hinten in blond: Nana

Bis jetzt habe ich Montebello nur als Besucherin kennengelernt.
- Verteilt auf díe Ladeflächen von 2 Jeeps haben wir Cali verlassen & haben mit ächzenden Motoren den Hügel nach Montebello erklommen.
Die Straßen sind eng & staubig & so beschaffen, dass ich mich hin und wieder
ängstlich an der Ladefläche oder meiner Nebensitzerin festgeklammert habe, um nicht über Bord zu gehen. -Trotz anfänglichem Unbehagen nachdem ich ja unsere gut ausgebauten Straßen in Deutschland gewöhnt bin, macht mir diese Transportart aber viel Spaß.
(Die meisten Caleños fahren mit Jeeps ,die außerhalb des Stadtzentrums eine Art Busverbindung darstellen, zur Arbeit. Diese sind dann jedoch nicht nur, wie in unserem Fall, mit 8 Personen sondern auch mal mit 14 oder mehr beladen. Dabei stehen 2 Personen außerhalb des Jeeps auf Brettern und klammern sich fest.
- Alleridngs nur Männer, für eien Frau schickt sich das nach kolumbianischer Ansicht nicht.)

Am Straßenrand drängen sich kleine Hütten, die meist aus Holz oder Bambus beschaffen sind und in deren 1. Stock man meistens die Bewohner genaustens beobachten kann oder man auch manchmal kleine Läden verstecken.

Das Colegio de las Auguas befindet sich am Stadtrand und grenzt an den Urwald an. -Da es in den letzten Wochen jedoh kaum geregnet hat, macht er einen etwas kümmerlichen & vertrockneten Eindruck.
Hierin lässt sich jedoch auch Guadua finden, mit dem auch Teile des neuen Schulgebäudes und der Mariposa -dem Essenssaal und Küche der Schule- gebaut wurden .
In der Mariposa wird das Regenwasser aufgefangen, wodurch es inzwischen Schultoiletten mit fließensd Wasser gibt. -Was sonst bis jetzt nur 6 Haushalte in Montebello besitzen.

Hier findet sich auch meine 1. Arbeitsstelle. -Ab Montag besuchen wir einen 3-tägigen Workshop, in dem wir im Umgang mit Guadua unterwiesen werden und ab Donnerstag werde ich mich auf dem Bau versuchen.
Zwischen den Schulgebäuden und der Mariposa soll ein Verbindungsgang aus Guadua entstehen- als Schutz vor Regen und um die Sicherheit der Schüler zu garantieren, an dem ich mitbauen werde.


Armenia

Um uns das Ankommen in unserer neuen Heimat zu erleichtern, durften wir einige Tage in Armenia verbringen, das 3 Busstunden nordöstlich von Cali entfernt liegt.
Zu Armenia kann man nur sagen, dass es wunderschön ist- und dass ich schnellstmöglich versuchen werde Fotos hochzuladen.

Wir haben viel besichtigt und ich habe die Landschaft teilweise auch auf einem Pferderücken erkundet- hierbei hat der südamerikanische Reitstil mir jedoch ein paar schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen.
Dass die Natur nicht nur wunderschön, sondern auch unbeugsam ist, haben wir am eigenen Leib erfahren, als wir ein Dorf besuchen wollten, dass nach einem Erdbeben mit deutscher Aufbauhilfe nur aus Guadua wieder aufgebaut wurde, das so elastich ist, dass das Dorf einem erneuten Erdbeben standhalten könnte.
Unser Bus blieb am Rande eines Flusses stecken & musste rückwärts wieder zurück fahren- noch 2h Fußmarsch vom Dorf entfernt.
Nach einer demokratischen Abtsimmung musste ich mich der Mehrheit fügen & es ging nicht weiter zu Fuß zum Dorf.
Stattdessen haben wir uns die Füße im Fluss gekühlt & den Schweiß von der Stirn gewaschen- bis meine Beine mit schwarzen Würmern überseht waren (Blutegel?) & ich ganz zivilisationsgewöhntes Mädchen kreischend auf den nächsten Stein gehechtet bin.

Als Ausgleich habe ich am Abend jedoch noch einen großen Schritt in Richtung Kolumbianern gemacht und von unserem Busfahrer meine 1. Salsastunde bekommen.
Dabei war schön zu beobachten, dass es deutschen Männerbeinen ziemlich schwer fällt, sich zu bewegen, wenn sie keinen Fußball haben, dem sie hinterherrennen können.


Momentan fällt es mir ziemlich schwer ein erstes Fazit zu ziehen, da ich von neuen Eindrücken überflutet werde.

Ich habe Kolumbien schon bevor iche es kannte, zu lieben begonnen.
Vorallem aufgrund der schönen Erfahrungen die mein Bruder von seiner Backpacker-Tour durch Kolumbien mitbrachte & einer tollen Kolumbianerin, die während meiner Schulzeit Montag morgens im Spanischunterricht meist noch einen Schluck Kaffee für mich übrig hatte.

Viele Deutsche verbinden mit Kolumbien nur Kokshandel, Armut & Gewalt. -Oder im besseren Fall Kaffee, Latinas & Hängematten.

Für mich ist Kolumbien jedoch gleichzeitig ein Paradies.
Man sagt eine Münze hat immer 2 Seiten - für Kolumbien heißt dies zwar einerseits Armut & Gewalt. Die andere Seite zeigt jedoch eine Natur deren Schönheit & Menschen deren Herzlichkeit jeden in ihren Bann ziehen.
Und wenn man deise Münze regelmäßig fallen lässt, scheint viel öfters die 2.Seite oben aufzukommen.


Entschuldigt, dass mein Eintrag so lange hat auf sich warten lassen. Aber bis jetzt sitze ich noch ohne Internet in meiner Klosterzelle.
Hoffe´aber, dass sich das bald ändert.

Sonntag, 30. August 2009

bitterer Kaffee

Heute melde ich mich zum letzten Mal aus Deutschland.
Nach einer Woche Kofferpacken & Abschiedstränen beginnt morgen Früh am Frankfurter Flughafen meine Reise nach Kolumbien- & ich habe das Gefühl- auch ein komplett neuer Lebensabschnitt.

Um meinen Abschiedssituation zu beschreiben, klaue ich mir mal ein paar Worte aus dem Buch "Ardiente Paciencia" von Antonio Skármeta.
Dieses endet mit der Antwort "No gracias. Lo tomo amargo." (Nein danke. Ich trinke ihn bitter.") auf die Frage, ob man Zucker in den Kaffee möchte.
-Zwar habe ich nicht wie der Befragte im Buch einen Militärputsch hinter mir, aber mich erwartet ein ziemlich schwerer- und bitterer- Abschied.
Ich bin mir aber sicher, dass mich nach diesem bitteren Schluck Kaffee, ein aufregendes Jahr erwartet & sich der schwere Abschied lohnt.

Meinen nächsten "Post", wie es im "Blog"- Chargon heißt,werde ich also in Kolumbien verfassen- vielleicht während ich leckeren kolumbianisches Kaffee schlürfe.