Ich habe eine Kolumbianerin kennengelernt, deren Leben sehr gut den Umbruch in Kolumbien beschreibt und das zeigt dass Kolumbianer meines Alters einerseits Aufstiegschancen haben, andererseits stets von der immernoch bestehenden Gewalt, Armut & Ungerechtigkeit bedroht sind.
Angela, eine 20-jährige Kolumbinaerin mit genug Energie & Lebensfreude für 10, stammt ursprünglich aus Agua Blanca, einem Armenviertel Calis, in dem Kriminalität floriert.
Heute studiert sie an der staatlichen Uni Calis soziale Arbeit & gibt an verschiednen Schulen AG´s für volkstümliche Tänze, von denen ich mir weder Namen noch Schritte merken kann.
Inzwischen wohnt sie in Universitätsnähe & kann ihre Mutter in Agua Blanca nicht besuchen, da es für sie als "Außenstehende" dort zu gefährlich ist.
Für mich ist es vollkommmen absurd, dass eine Tochter ihre eigene Mutter nicht besuchen kann. Bis jetzt kannte ich solche Situationen auch nur aus Zeitungen, jetzt werden sie mir am Küchentisch erzählt.
Am Küchentisch hat mir Angela auch erzählt, dass sie vor 2 Jahren einen Freund verlor, der eigentlich nur Urlaub machen wollte.
-Er wurde von Polizisten, die sich eine Gehaltserhöhung verschaffen wollten ermordet & in eine Guerillauniform gesteckt.
Mit der Zielsetzung Guerilla & Paramilitar zu beseitigen, wurde von der kolumbiansichen Regierung ein Bonussystem eingeführt, das Polizisten die ein Paramilitar- oder Guerillamitglied umbringen, eine Gehaltserhöhung oder Sonderurlaub verschafft.
Mit der Einführung dieses Bonussystems tauchten auch die "falsos Positivos" auf. Unschuldige Kolumbianer, die von Polizisten nur um von diesem Bonussystem profitieren zu können ermmordet werden.
Der Mord an Angelas Freund wurde zwar durch viele Studenten publik gemacht, die verantwortlichen Polizisten konnten jedoch unbehelligt ihren Sonderurlaub genießen und anschließend als Freund & Helfer wieder für Recht & Ordnung sorgen.
Meiner Anischt nach ist in Kolumbien Recht zu oft eine Frage von Geld.
Einerseits, weil man sich Recht erkaufen kann. Andererseits, da der Großteil der Bevölkerung überhaupt nicht über die finanziellen Mittel verfügt, sich ihr Recht zu verschaffen.
Eine Familie, die ihren Sohn als falso Positivo verliert, sich aber keinen Anwalt leisten kann, lebt in der Gewissheit, dass dieses Unrecht keine Konsequenzen nach sich ziehen wird.
Was bedeutet es für eine Bevölkerung, wenn ihre Regierung keine Gerechitgkeit durchsetzt? Wenn sie sogar Maßnahmen vornimmt, die die Ungerechtigkeit noch unterstützen?
Zwar steht die Regierung unter ständigem Handlungsdruck, Paramilitar & Guerilla zu schwächen, derartige Bonussysteme erscheinen trotz allem pervers.
In Deutschland kann man als Real-Kunde bei Einkäufen Bonuspunkte für eine Bratpfanne sammeln.
In Kolumbien kann man als Polizist töten - für ein verlängertes Wochenende.
Auch regerungskritische Kolumbianer betonen, dass Kolumbien unter der jetzigen Regierung, gerade für Ausländer wie mich, viel sicherer geworden ist, ob dies derartige Maßnahmen legitimiert ist jedoch fraglich.
Sonntag, 27. September 2009
aller Anfang ist schwer
damit Ihr Euch nicht wundert: Ich habe diesen Eintrag schon am 16. September verfasst, hatte aber bis jetzt kein Internet.
Seit ein paar Tagen hat mein Lotterleben auf Pferderücken & in Hängematten sein Ende genommen.
Vom 7.-9. September wurden wir zunächst in einem Workshop in die Materie Bambus eingeführt...
-Wann hat ein Bambus das richtige Alter um zum Bauen verwendet zu werden?
-Wie macht man einen einwandfreien "boca de pezcado"? (Hierbei handelt es sich um eine halbkreisförmige oder fischmundartige Aushöhlung eines Bambusendes, auf den eine andere Bambusstange aufgesetzt werden kann. Wobei ich zugeben muss, dass meine Versuche meist etwas kümmerlich aussehen.)
Letzten Donnerstag (10.9.) fiel dann der Startschuss für unsere Arbeit an der Brücke, die für mein europäisches Verständnis unglaublich zeitverschlingend ist.
was zu einem daran liegt, dass wir deutschen Mädels sehr wenig Ahnung von der Arbeit haben und zum anderen an der kolumbianischen Einstellung etwas después (anschließend)zu machen. Man trinkt also erstmal einen tinto und anschließend schaut man dann, wann man weitermacht.
-Wir bauen jetzt seit 5 Tagen und haben, wenn man es genau nimmt nur ca. 40 Baumstämme aneinandergschraubt (es benötigt ganz schön viel Vorarbeit bis sich so ein Bambus irgendwo festschrauben lässt).
Seit ein paar Tagen hat mein Lotterleben auf Pferderücken & in Hängematten sein Ende genommen.
Vom 7.-9. September wurden wir zunächst in einem Workshop in die Materie Bambus eingeführt...
-Wann hat ein Bambus das richtige Alter um zum Bauen verwendet zu werden?
-Wie macht man einen einwandfreien "boca de pezcado"? (Hierbei handelt es sich um eine halbkreisförmige oder fischmundartige Aushöhlung eines Bambusendes, auf den eine andere Bambusstange aufgesetzt werden kann. Wobei ich zugeben muss, dass meine Versuche meist etwas kümmerlich aussehen.)
Letzten Donnerstag (10.9.) fiel dann der Startschuss für unsere Arbeit an der Brücke, die für mein europäisches Verständnis unglaublich zeitverschlingend ist.
was zu einem daran liegt, dass wir deutschen Mädels sehr wenig Ahnung von der Arbeit haben und zum anderen an der kolumbianischen Einstellung etwas después (anschließend)zu machen. Man trinkt also erstmal einen tinto und anschließend schaut man dann, wann man weitermacht.
-Wir bauen jetzt seit 5 Tagen und haben, wenn man es genau nimmt nur ca. 40 Baumstämme aneinandergschraubt (es benötigt ganz schön viel Vorarbeit bis sich so ein Bambus irgendwo festschrauben lässt).
Sonntag, 6. September 2009
5 Tage & viel Neues
Auf dem untersten Bild seht Ihr übrigens meiner Mädels in der prallen Mittagssonne leiden: vorne: Mandy hinten in brünett: Michaela & hinten in blond: Nana
Bis jetzt habe ich Montebello nur als Besucherin kennengelernt.
- Verteilt auf díe Ladeflächen von 2 Jeeps haben wir Cali verlassen & haben mit ächzenden Motoren den Hügel nach Montebello erklommen.
Die Straßen sind eng & staubig & so beschaffen, dass ich mich hin und wieder
ängstlich an der Ladefläche oder meiner Nebensitzerin festgeklammert habe, um nicht über Bord zu gehen. -Trotz anfänglichem Unbehagen nachdem ich ja unsere gut ausgebauten Straßen in Deutschland gewöhnt bin, macht mir diese Transportart aber viel Spaß.
(Die meisten Caleños fahren mit Jeeps ,die außerhalb des Stadtzentrums eine Art Busverbindung darstellen, zur Arbeit. Diese sind dann jedoch nicht nur, wie in unserem Fall, mit 8 Personen sondern auch mal mit 14 oder mehr beladen. Dabei stehen 2 Personen außerhalb des Jeeps auf Brettern und klammern sich fest.
- Alleridngs nur Männer, für eien Frau schickt sich das nach kolumbianischer Ansicht nicht.)
Am Straßenrand drängen sich kleine Hütten, die meist aus Holz oder Bambus beschaffen sind und in deren 1. Stock man meistens die Bewohner genaustens beobachten kann oder man auch manchmal kleine Läden verstecken.
Das Colegio de las Auguas befindet sich am Stadtrand und grenzt an den Urwald an. -Da es in den letzten Wochen jedoh kaum geregnet hat, macht er einen etwas kümmerlichen & vertrockneten Eindruck.
Hierin lässt sich jedoch auch Guadua finden, mit dem auch Teile des neuen Schulgebäudes und der Mariposa -dem Essenssaal und Küche der Schule- gebaut wurden .
In der Mariposa wird das Regenwasser aufgefangen, wodurch es inzwischen Schultoiletten mit fließensd Wasser gibt. -Was sonst bis jetzt nur 6 Haushalte in Montebello besitzen.
Hier findet sich auch meine 1. Arbeitsstelle. -Ab Montag besuchen wir einen 3-tägigen Workshop, in dem wir im Umgang mit Guadua unterwiesen werden und ab Donnerstag werde ich mich auf dem Bau versuchen.
Zwischen den Schulgebäuden und der Mariposa soll ein Verbindungsgang aus Guadua entstehen- als Schutz vor Regen und um die Sicherheit der Schüler zu garantieren, an dem ich mitbauen werde.
Armenia
Um uns das Ankommen in unserer neuen Heimat zu erleichtern, durften wir einige Tage in Armenia verbringen, das 3 Busstunden nordöstlich von Cali entfernt liegt.
Zu Armenia kann man nur sagen, dass es wunderschön ist- und dass ich schnellstmöglich versuchen werde Fotos hochzuladen.
Wir haben viel besichtigt und ich habe die Landschaft teilweise auch auf einem Pferderücken erkundet- hierbei hat der südamerikanische Reitstil mir jedoch ein paar schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen.
Dass die Natur nicht nur wunderschön, sondern auch unbeugsam ist, haben wir am eigenen Leib erfahren, als wir ein Dorf besuchen wollten, dass nach einem Erdbeben mit deutscher Aufbauhilfe nur aus Guadua wieder aufgebaut wurde, das so elastich ist, dass das Dorf einem erneuten Erdbeben standhalten könnte.
Unser Bus blieb am Rande eines Flusses stecken & musste rückwärts wieder zurück fahren- noch 2h Fußmarsch vom Dorf entfernt.
Nach einer demokratischen Abtsimmung musste ich mich der Mehrheit fügen & es ging nicht weiter zu Fuß zum Dorf.
Stattdessen haben wir uns die Füße im Fluss gekühlt & den Schweiß von der Stirn gewaschen- bis meine Beine mit schwarzen Würmern überseht waren (Blutegel?) & ich ganz zivilisationsgewöhntes Mädchen kreischend auf den nächsten Stein gehechtet bin.
Als Ausgleich habe ich am Abend jedoch noch einen großen Schritt in Richtung Kolumbianern gemacht und von unserem Busfahrer meine 1. Salsastunde bekommen.
Dabei war schön zu beobachten, dass es deutschen Männerbeinen ziemlich schwer fällt, sich zu bewegen, wenn sie keinen Fußball haben, dem sie hinterherrennen können.
Momentan fällt es mir ziemlich schwer ein erstes Fazit zu ziehen, da ich von neuen Eindrücken überflutet werde.
Ich habe Kolumbien schon bevor iche es kannte, zu lieben begonnen.
Vorallem aufgrund der schönen Erfahrungen die mein Bruder von seiner Backpacker-Tour durch Kolumbien mitbrachte & einer tollen Kolumbianerin, die während meiner Schulzeit Montag morgens im Spanischunterricht meist noch einen Schluck Kaffee für mich übrig hatte.
Viele Deutsche verbinden mit Kolumbien nur Kokshandel, Armut & Gewalt. -Oder im besseren Fall Kaffee, Latinas & Hängematten.
Für mich ist Kolumbien jedoch gleichzeitig ein Paradies.
Man sagt eine Münze hat immer 2 Seiten - für Kolumbien heißt dies zwar einerseits Armut & Gewalt. Die andere Seite zeigt jedoch eine Natur deren Schönheit & Menschen deren Herzlichkeit jeden in ihren Bann ziehen.
Und wenn man deise Münze regelmäßig fallen lässt, scheint viel öfters die 2.Seite oben aufzukommen.
Entschuldigt, dass mein Eintrag so lange hat auf sich warten lassen. Aber bis jetzt sitze ich noch ohne Internet in meiner Klosterzelle.
Hoffe´aber, dass sich das bald ändert.
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