Sonntag, 27. September 2009

Ich habe eine Kolumbianerin kennengelernt, deren Leben sehr gut den Umbruch in Kolumbien beschreibt und das zeigt dass Kolumbianer meines Alters einerseits Aufstiegschancen haben, andererseits stets von der immernoch bestehenden Gewalt, Armut & Ungerechtigkeit bedroht sind.


Angela, eine 20-jährige Kolumbinaerin mit genug Energie & Lebensfreude für 10, stammt ursprünglich aus Agua Blanca, einem Armenviertel Calis, in dem Kriminalität floriert.

Heute studiert sie an der staatlichen Uni Calis soziale Arbeit & gibt an verschiednen Schulen AG´s für volkstümliche Tänze, von denen ich mir weder Namen noch Schritte merken kann.
Inzwischen wohnt sie in Universitätsnähe & kann ihre Mutter in Agua Blanca nicht besuchen, da es für sie als "Außenstehende" dort zu gefährlich ist.
Für mich ist es vollkommmen absurd, dass eine Tochter ihre eigene Mutter nicht besuchen kann. Bis jetzt kannte ich solche Situationen auch nur aus Zeitungen, jetzt werden sie mir am Küchentisch erzählt.

Am Küchentisch hat mir Angela auch erzählt, dass sie vor 2 Jahren einen Freund verlor, der eigentlich nur Urlaub machen wollte.

-Er wurde von Polizisten, die sich eine Gehaltserhöhung verschaffen wollten ermordet & in eine Guerillauniform gesteckt.

Mit der Zielsetzung Guerilla & Paramilitar zu beseitigen, wurde von der kolumbiansichen Regierung ein Bonussystem eingeführt, das Polizisten die ein Paramilitar- oder Guerillamitglied umbringen, eine Gehaltserhöhung oder Sonderurlaub verschafft.
Mit der Einführung dieses Bonussystems tauchten auch die "falsos Positivos" auf. Unschuldige Kolumbianer, die von Polizisten nur um von diesem Bonussystem profitieren zu können ermmordet werden.

Der Mord an Angelas Freund wurde zwar durch viele Studenten publik gemacht, die verantwortlichen Polizisten konnten jedoch unbehelligt ihren Sonderurlaub genießen und anschließend als Freund & Helfer wieder für Recht & Ordnung sorgen.

Meiner Anischt nach ist in Kolumbien Recht zu oft eine Frage von Geld.
Einerseits, weil man sich Recht erkaufen kann. Andererseits, da der Großteil der Bevölkerung überhaupt nicht über die finanziellen Mittel verfügt, sich ihr Recht zu verschaffen.
Eine Familie, die ihren Sohn als falso Positivo verliert, sich aber keinen Anwalt leisten kann, lebt in der Gewissheit, dass dieses Unrecht keine Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Was bedeutet es für eine Bevölkerung, wenn ihre Regierung keine Gerechitgkeit durchsetzt? Wenn sie sogar Maßnahmen vornimmt, die die Ungerechtigkeit noch unterstützen?
Zwar steht die Regierung unter ständigem Handlungsdruck, Paramilitar & Guerilla zu schwächen, derartige Bonussysteme erscheinen trotz allem pervers.
In Deutschland kann man als Real-Kunde bei Einkäufen Bonuspunkte für eine Bratpfanne sammeln.
In Kolumbien kann man als Polizist töten - für ein verlängertes Wochenende.

Auch regerungskritische Kolumbianer betonen, dass Kolumbien unter der jetzigen Regierung, gerade für Ausländer wie mich, viel sicherer geworden ist, ob dies derartige Maßnahmen legitimiert ist jedoch fraglich.

2 Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Hallo Maike,

    wir haben gestern und heute einen sehr schönen Abend bei Deinen Eltern verbracht. Diesmal konnten wir in den Geburtstag Deiner Mutter hineinfeiern. Es wurde das typisch "deutsche" Geburtstagslied "Happy birthday to you" gesungen. Leider war ich unachtsam und habe ein Glas geliefert. So ist das, wenn man Gast ist, dann passieren solche Dinge, die zuhause in den eigenen vier Wänden nie und nimmer vorkommen.

    Wir haben auch alle Deinen Blog mit dem Laptop Deines Vaters - der mächtig stolz auf die "BESTE" aller Töchter ist - angesehen. Danach gab es eine Diskussion über das Internet und seine Möglichkeiten. Dass es verschiedene Meinungen gibt, erscheint als die normalste Sache der Welt? Auch, was das sog. Bloggen anbelangt, wie weit gegangen werden sollte, wenn die/der BloggerIn über sich selbst und persönliche Erfahrungen schreiben, war Inhalt der Diskussion...

    Nun ein kurzes Feedback zu Deinem Beitrag zum Tod eines jungen Mannes. Du schreibst in Deinem Blog:

    "In Deutschland kann man als Real-Kunde bei Einkäufen Bonuspunkte für eine Bratpfanne sammeln.
    In Kolumbien kann man als Polizist töten - für ein verlängertes Wochenende."

    Ich halte diese Aussage für gefährlich, weil Deutschland damit implizit als etwas besseres dargestellt wird. Deutschland ist jedoch nicht besser, sondern anders. Wenn sich ältere Menschen nicht mehr in die U-Bahn trauen, wenn in Schulen über besondere Sicherheitssysteme nachgedacht wird, wenn der deutsche Steuerzahler für Kriegseinsätze deutscher Soldaten mehr Geld aufbringen muss als für Bildung, dann ist auch etwas faul im Staate Deutschland.

    Ich bin schon gespannt auf Deinen nächsten Blog. Denn wie sagte der große Dichter schon:

    "Wo viel Licht, da ist auch Schatten!"

    Schreibe doch einfach einmal über das Licht des Landes, welches Dich als Gast aufgenommen hat. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und dass Du noch viele nette Menschen triffst.

    ph

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